Cavradischlucht
Val Cunera
Surselva / Tujetsch / Graubünden

(geschichtliche und geologische Daten am Ende der Seite)

            

                         

                                          

Mineralien - im Talgrund-Schutt aufzufinden

Albit

      

Anatas

        

         

         

         

     

Apatit

        

        

        

Aragonit

  

Azurit

Baryt

  

Biotit

Galenit

Calcit

        

Chalkopyrit

Chrysokoll

Covellin

     

Digenit ?

Hämatit

     

    

     

   

Limonit

Magnetit

Malachit

        

     

Manganoxid

Markasit

Monazit

        

        

     

Muskovit

     

Chlorit /Klinochlor/Pennin

  

Pyrit

     

Quarz

  

Einschlüsse in Quarz

        

Rutil

        

        

        

Schörl

  

Siderit

     

Sphen

Strontianit

        

  

Xenotim

noch unbestimmt

        

  

Alpenblumen in der Cavradischlucht

        

Akelei-Wiesenraute    Berghauswurz              BlauerEisenhut            Schwalbenwurz-
                                                                                                                         Enzian                  

        

Graslilie                         Knabenkraut                Knabenkraut                  Knabenkraut

     

Mehl-Primel                  Rundbl. Enzian             Schwefel-Kuhschelle

Einige geschichtliche und geologische Daten:

 

Die Surselva, das Bündner Oberland, ist die Talschaft des oberen Vorderrheins im schweizerischen Kanton Graubünden. Der Name Surselva ist romanisch und bedeutet "oberhalb des Waldes". Mit dem Wald ist der heute noch weitgehend intakte "Grosse Wald" im Gebiet des eiszeitlichen Flimser Bergsturzes, der Ruinaulta, gemeint.

Die Surselva erstreckt sich vom Oberalppass im Westen bis vor das Bergsturzgebiet von Flims im Osten und gliedert sich in zwei Regionen:
- die Gruob umfasst den Talkessel von Ilanz mit seinen Seitentälern und

- die Cadi, zu der auch die Cavradischlucht gehört.
Die Cadi, eine Abkürzung für „Casa Die“  – „das Haus Gottes“. Der Name deutet auf die enge Verbundenheit und vor allem auf die Vorherrschaft des Klosters Disentis seit dem 8. Jhdt hin. Cadi ist die Region Disentis bis zum Oberalppass und bezeichnet den politischen Kreis Disentis.

Den Ort Tavetsch - romanisch Tujetsch - abgeleitet von „tigia“ – Almhütte oder auch Tal der Sennhütten -  gibt es nicht und hat es auch nie gegeben. Der Name bezeichnet kein Dorf, sondern eine politische Gemeinde, die aus mehreren Dörfern besteht und deren Ausdehnung mit dem Einzugsgebiet des obersten Vorder-Rheins zusammenfällt.

Selva (1537 m ü. M.), der zweite Ort im Thale Tavetsch in der Landschaft Disentis und Ausgangsort in das Val Cunera, liegt am Ende einer sumpfigen Ebene und nahe an den Quellen des vorderen Rheins. Die spätmittelalterliche, altrhätische Bezeichnung «Selvaningen» weist auf die Besiedlung durch Walser hin.
Auch Selva musste mehrmals in ihrer Geschichte schweres Leid erdulden. In der Nacht vom 12. auf den 13. Dezember 1808 forderte eine Lawine 25 Opfer. 1785 und 1949 wurde der Ort ein Raub der Flammen.

Im August 1988 beschloss die Gemeinde, Selva in eine rund 60 ha große Sport- und Golfzone einzuzonen, was die Preisgabe einer während Jahrhunderten natürlich gewachsenen, intakten Kulturlandschaft mit seltener Fauna und Flora bedeutet.

Schon im 12. Jhdt. stand das ganze Gebiet unter dem Einfluß des Klosters Disentis. Disentis leitet sich ab von „Desertina“, was Einöde oder Wüste bedeutet. Der Name weist auf eine einsame, siedlungsarme Gegend hin.

Das bedeutendste Tujetscher Seitental  - zumindest aus Sicht der Mineraliensammler -  ist das Val Cunera mit der Cavradischlucht. Die Schlucht endet an einer riesigen, beeindruckenden 152 m hohen Staumauer. Der Stausee Lai da Curnera bildet mit den Stauseen Lai da Sontga Maria und Lai da Nalps, die in benachbarten Tälern liegen, ein einziges durch Röhren zusammenhängendes wasserwirtschaftliches System.

Die „Cavradi“ gilt als die berühmteste und ergiebigste Mineralfundstelle dieser Region, genau ist sie der klammartige Talausgang des Val Curnera zum Vorderrhein, unterhalb des Curnera-Stausees.

Die Cavradischlucht birgt die bedeutendsten Klüfte mit Hämatit in der Schweiz. Die Einzelkristalle bis 6 cm zeigen unerhöhrten Flächenreichtum und Glanz wie weltweit kaum anderswo. Abgeflachte, rotbraune Rutilprismen sind dem Hämatit orientiert aufgewachsen oder eingelagert (Epitaxie).

Die Curneraschlucht ist unzugänglich; ein schmaler, gefährlicher Pfad führt am Osthang des Piz Cavradi nach der Alp Curnera. Infolge dieser Unzugänglichkeit hat das Val Curnera von jeher in wirtschaftlicher Hinsicht eine untergeordnete Rolle gespielt.

Das Tujetsch wird von vier geologischen Einheiten aufgebaut:

- im Norden das Aarmassiv mit dem südlichen Aaregranit und der schmalen Zone des
  Giuvsyenit
- in der Mitte das Tavetscher Zwischenmassiv
- weiter südlich des Rheins die Urseren-Garvera-Mulde (dominierend sind Phyllite,
  Konglomeratgneise und diverse Vulkanite)
- ganz im Süden das Gotthardmassiv.

In der Cavradi-Schlucht befindet sich unterhalb des Curnera-Staubeckens eine relativ schmale Gesteinsschicht, in der sich die einheimischen Strahler geradezu bergmännisch auf die Suche nach Zerrklüften mit dem kostbaren Hämatit machen.

Wenn man heute über die Mineralien im oberen Bündner Land spricht kommt man an einer Persönlichkeit nicht vorbei: Placidius a Spescha (1752-1833).

Das Benediktiner-Kloster Disentis betrieb in früher Zeit auch einen regen Handel mit Mineralien, wobei sich ein Mitglied des Klosterkapitels, Pater Placidius a Spescha  als einer der prominentesten Mineralienkenner jener Zeit hervortut. Wir verdanken ihm ausführliche Handschriften und eine mineralogisch-petrographische Karte des Gotthardmassivs.

A Spescha unterscheidet in der weiteren Gotthardregion 50 Mineralien und Mineralvarietäten. Er baute eine sehenswerte Klostersammlung auf, um sie 1799 um 20.000 Gulden an die Franzosen abtreten zu müssen, um damit die auferlegte Kriegszwangseintreibung bezahlen zu helfen. Eine Zeitlang war der streitbare Pater Placi a Spescha im Tujetsch: 1809 ließ er sich als Kaplan von Selva und Tschamut wählen.

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